Am 4. und 5. Juli 2026 trifft sich die Bundes-AfD in Erfurt zu ihrem Parteitag. Fast auf den Tag genau 100 Jahre nach dem zweiten Reichsparteitag der NSDAP im benachbarten Weimar wollen Weidel, Höcke und Co. sich in der Erfurter Messe auf die kommenden Wahlen einstimmen. In Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt werden im Herbst die Landtage neu gewählt, in beiden Bundesländern wird die AfD die Wahlen sehr wahrscheinlich deutlich gewinnen.
Wir werden das Treffen der braun-blauen Reaktion in Erfurt nicht unwidersprochen hinnehmen! Die AfD ist die wichtigste Kraft im reaktionären Lager und eine tatsächliche Gefahr für viele Menschen in diesem Land. Gerade deswegen muss sie breit und entschieden bekämpft werden. Ein wichtiger Teil davon sind der Widerstand gegen rechte Veranstaltungen und der direkte, vielfältige Protest auf der Straße. Vor der eigenen Haustür, aber eben auch bei Großevents wie im Juli in Erfurt.
Im Kontext der bundesweiten Widersetzen-Kampagne, aber auch darüber hinaus, werden tausende Antifaschist:innen nach Erfurt reisen, um den Parteitag zu stören. Das ist keine reine Symbolpolitik, sondern handfester Antifaschismus. Es ist richtig und wichtig. Wenn die AfD nicht in der Lage ist, ungestört in die Öffentlichkeit zu treten und Zusammenkünfte nur unter großem Aufwand möglich sind, dann hindert sie das ganz konkret an ihrer Arbeit.
Wir machen uns aber natürlich auch keine Illusionen: Die Proteste in Erfurt alleine werden weder die AfD noch den gesellschaftlichen Rechtsruck aufhalten. Aber sie sind ein Baustein des Widerstands. Ein Ort, an dem viele Antifaschist:innen über Stadt– und Organisationsgrenzen zusammenkommen und gemeinsam kämpfen. In Riesa, Essen, Gießen und Erfurt wird die eigene Ohnmacht vor den Verhältnissen konkret überwunden, werden neue Bündnisse geschmiedet und Erfahrungen gesammelt. Dort bekommen auch die AfD und ihre Funktionär:innen den antifaschistischen Widerstand immer wieder konkret zu spüren.
Die AfD ist natürlich nur die Spitze der Rechtsentwicklung. Sie ist die Stichwortgeberin, sie ist die, die andere in Diskurs und Praxis vor sich hertreibt. Dennoch sollten wir zwei Tatsachen nicht verkennen. Zum einen lassen sich die bürgerlichen Parteien in der Mehrheit nur zu gerne nach rechts verschieben. Gesetzesverschärfungen, Sozialraub, Abschiebungen, Kriegsvorbereitungen: Das kommt momentan aus dem Herzen des bürgerlichen Parlamentarismus.
Zum anderen besteht nach wie vor ein qualitativer Unterschied zwischen den realpolitischen Vorstellungen der Weidel-Höcke-Partei und denen des restlichen Politikapparats. Eine AfD in Regierungsverantwortung entzaubert sich nicht selbst, sie wird dem gesellschaftlichen Rechtsruck eine neue Qualität verleihen. Wie genau das aussehen wird, lässt sich schwer vorhersehen. Wir sollten es nicht darauf ankommen lassen.
Sicherlich ist der Kampf gegen die Gefahr von rechts kein Kampf, der sich auf die AfD beschränken lässt. Aber er muss eben mit voller Kraft auch an dieser Speerspitze des reaktionären Lagers ansetzen.
Gleichzeitig müssen wir die Ursachen des rechten Aufschwungs in den Fokus zu nehmen. In Zeiten, in denen die Krisenhaftigkeit des Kapitalismus immer offener zu Tage tritt, in denen steigende Preise, stagnierende Löhne und die Energiekrise die absolute Mehrheit der Menschen mit voller Wucht treffen, inszeniert sich die AfD als „Anwalt des kleinen Mannes“ und wird zu Wahloption.
Ein wirksamer Antifaschismus darf zu diesen Problemen nicht schweigen. Im Gegenteil. Er muss rechte „Sozialpolitik“ kritisieren, linken Widerstand dagegen greifbar machen und die Perspektive einer solidarischeren Gesellschaft sichtbar machen.
So sehr es also darum gehen muss, auf der einen Seite die Lügen von Rechts zu entlarven und ein breites antifaschistisches Bewusstsein zu entwickeln, so entschieden müssen auf der anderen Seite die AfD, ihre Strukturen und ihre Repräsentant:innen bekämpft werden. Von alleine werden sie nicht zerfallen und es wäre absurd, in dieser Angelegenheit auf die Repressionsorgane des Staates zu vertrauen, die selbst von Rechten durchsetzt sind und offensichtlich eher an der Kriminalisierung von linkem Widerstand interessiert sind.
Genauso wie der Kampf gegen den Rechtsruck nicht auf die AfD zu reduzieren ist, genauso wenig kann er alleine durch Massenmobilisierungen gewonnen werden. Große Massenmobilisierungen – so wichtig sie auch sind – bleiben ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn sie nicht durch lokale und kontinuierliche Arbeit untermauert werden.
Damit das gelingt, braucht es die praktische Zusammenarbeit aller antifaschistischen Kräfte, die es ernst meinen: linken Gruppen, Stadtteil-Initiativen, Gewerkschaften, Parteibasisstrukturen, die antifaschistischen Bewegung, die migrantischen Community und vielen anderen mehr. Nur gemeinsam sind wir in der Lage, eine breite und gleichzeitig wirkmächtige Front gegen die AfD aufzubauen. Zusammen und auf Augenhöhe. In Erfurt und überall anders.
Packen wir’s an: Antifaschismus selber machen!
