Widersetzen, nach Hause fahren, weiter kämpfen


Der AfD-Bundesparteitag ist vorbei. Der Antifaschistische Protest geht weiter.

Am Abend des 3. Juli 2026 steigen aus dem gesamten Bundesgebiet Aktivist:innen in Busse. Abfahrt zwischen 21 und 23 Uhr – je nachdem aus welcher Region kommend. Ziel der Reise: die Bundesstraßen, Autobahnen und Zufahrtswege rund um die Messe in Erfurt blockieren. Ziel der Aktion: den AfD-Bundesparteitag verhindern. Als Bündnis Zeit zu Handeln sind auch wir (mit grob 700 Aktivist:innen) Teil des Protests seit den frühen Morgenstunden gewesen. Mit Antifaschist:innen von Kiel bis München.

Circa 10.000 Aktivist:innen schlossen sich den Blockaden und knapp 50.000 der Kundgebung an den Messehallen an. Man könnte sagen, die Zahlen stimmen: Massenprotest gegen den AfD-Bundesparteitag – check.

Allerdings gab es bereit um 8 Uhr morgens schon erste Ticker-Meldungen, der AfD Parteitag wäre bereits beschlussfähig und könne pünktlich starten. Der Protest hat es also weder geschafft, den Parteitag zu verhindern, noch ihn im großen Stil zu stören. Ausschließlich ein paar übermüdete Parteifunktionäre kann man auf die „Haben-Seite“ schreiben. Sowohl die AfD, als auch die Polizei haben sich gut vorbereitet auf das doch recht „erwartbare“ Protestgeschehen. Nach Anrufen bei fast allen Busunternehmen war der Gegenseite die zu erwartende Ankunftszeit Tage im Voraus (oder bereits seit den Protesten in Gießen, Riesa und Essen) bekannt.

Sicherlich ist es an der ein oder anderen Stelle nervig für die AfDler gewesen, dass die Cops sie um drei Uhr nachts zu ihrem eigenen Parteitag schleusen mussten. Aber am Ende war das keine reale Behinderung, Einschränkung oder gar Verhinderung von diesem rechten Event. Die Vorbereitungen der Wahlen in Sachsen-Anhalt im September begannen wie geplant. Der Modus bei der AfD war klar: Professionell, ohne Streit und Alles auf Regierungskurs.

Dass die AfD bei dieser Wahl stärkste Kraft werden wird, davon geht sie fest aus. Wir müssen das leider auch tun. Entsprechend ist es wichtig, dass die Antifa-Bewegung sich darauf vorbereitet.

Bei Protesten, die zum Ziel hatten, das Zusammentreffen der in Teilen faschistischen Partei zu verhindern, lässt sich der 4. Juli im Nachhinein schwer als Erfolg werten.

Was nach dem Wochenende trotzdem als Tatsache stehen bleibt: Obwohl die Cops und die bürgerliche Presse im Vorhinein eine große Spaltungs-Kampagne gegen die Proteste in die Zeitungen gebracht. Auch wenn die Zahlen kleiner waren als erwartet, müssen wir diese Tatsache festhalten und die richtigen Schlüsse daraus ziehen.

Ein Fehler wäre es nun, sich auf folgenden Vorschlag einzulassen: Nächstes Mal kommen wir einfach früher. Wer dieses Gedankenspiel zu Ende denkt, wird schnell einsehen müssen, dass wir es aktuell nicht mit diesem Repressions-Apparat aufnehmen können bzw. unweigerlich an unsere Grenzen stoßen werden. Die AfD als Partei wird auch weiterhin geschützt werden. Dem entsprechend wird der Staat auch weiterhin ihre Parteitage ermöglichen. Uns bleibt nichts anderes übrig: Wir müssen an anderer Stelle ansetzen. Jetzt gilt es: Lokal zu organisieren und nicht bei Zivilem Ungehorsam stehen bleiben. Allen, die am 4. Juli auf der Straße waren, ein Angebot machen. Nämlich ein Angebot, lokal zu kämpfen, sich hierbei nicht an das bürgerliche Regelwerk zu halten und über Stadt- und Szenegrenzen hinweg mit Menschen in Kontakt zu kommen.

Wenn wir die AfD noch zurückdrängen wollen, müssen wir im Kleinen ansetzen.

Am Sonntag war zunächst von „weitgehend friedlichen Protesten“ die Rede. Während ein Farbangriff auf ein Erfurter AfD-Büro am Samstag noch freudig in die Live-Ticker aufgenommen wurde, wurde es nach dem Wochenende zunächst ruhiger um das Thema.

Rechte Medien reichte das nicht. Von Welt bis Nius waren sie in den Tagen nach dem Parteitag bemüht, einen Vorfall am Samstag bis ins Detail zu besprechen: einige Vertreter der AfD-nahen Apollo News filmten Demonstrant:innen und wurden im Anschluss militant von der Straße vertrieben. Die „randalierende Antifa-Meute“ tritt den Rechten auch auf dieser Ebene selbstbewusst und konsequent entgegen.

Uns bleibt an der Stelle nichts anderes übrig als die Aussage von Widersetzten zu wiederholen: Faschisten mit Presseausweis bleiben Faschisten. Darin ist und bleibt die antifaschistische Bewegung sich einig.

Auch wenn wir aus dem gesamten Bundesgebiet mit unterschiedlichen Bussen und unter unterschiedlichen Slogans, mit unterschiedlichen Hintergründen angereist sind: Auf der Straße und im Kampf gegen Rechte sind wir vereint – daran gilt es anzuknüpfen. Wir müssen uns den Rechten dort entgegenstellen, wo sie sind. Das meinen wir, wenn wir von „Antifaschismus selber machen“ sprechen.

Dabei müssen wir der Realität ins Auge schauen: Gegen Bundesparteitage der Rechten und den bürgerlichen Staat haben wir aktuell keine Chance. Wir müssen einerseits aufhören, dort mit dem Kopf gegen die Wand zu rennen, wo aktuell nichts zu gewinnen ist und andererseits Möglichkeitsfenster und Leerstellen in der antifaschistischen Bewegung füllen – auf allen Ebenen. Was es dafür braucht, ist langfristige, lokale und überregional Organisierung: Vor der eigenen Haustür anzusetzen, aktiv werden, von links auf Spar- und Kriegskurs antworten, den Rechten dort begegnen, wo sie sich im Alltag aufhalten und ihre Inhalte verbreiten.

Schritt für Schritt bauen wir so die antifaschistische Einheitsfront von Unten auf. Lokal kämpfen, überregional zusammenstehen. Für einen vielseitigen und konsequenten Antifaschismus. Zeit zu handeln!